Endlich Schwimmbadwetter

O-Ton

Es lockt der Sprung ins kühle Nass. Weniger verlockend erscheint es da, die Zeit mit so etwas abstraktem wie der Unternehmenssteuerreform III zu vergeuden. Aber es könnte sich lohnen:

Diesen Juni haben die eidgenössischen Räte eine Steuerreform verabschiedet, bei der ich zweimal hinschauen musste, um zu glauben, mit welcher Grosszügigkeit Abzugsmöglichkeiten für Grossunternehmen beschlossen wurden. Vor knapp zwei Wochen hat der Zürcher Regierungsrat nun bekanntgegeben, wie er die Reform umsetzen will. Winterthur drohen dabei Steuereinbussen von 20 Millionen. Zwischen den Kantonen führt die Reform zu einem regelrechten Wettunterbieten bei der Gewinnsteuer: Die Waadt bietet 13.8, Schaffhausen liebäugelt mit 13 Prozent und Luzern verlangt gar rekordtiefe 12 Prozent. Das Resultat ist klar: Kantone und Gemeinden erhalten deutlich weniger Steuereinnahmen. Dass diese durch den Zuzug neuer Firmen kompensiert werden können, gehört ins Reich der frommen Wünsche. Obwohl die Reform komplex erscheint, sehen sie die Leute, mit denen ich am Samstag auf der Marktgasse im Rahmen der Unterschriftensammlung für das SP Referendum gesprochen habe, was sie ist: eine erneute starke steuerliche Entlastung der Grossunternehmen. Kompensieren müssen dies die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler durch höhere Steuern - 8 Prozentpunkte würde es in Winterthur ausmachen. Die Alternative wäre, alle Quartierbibliotheken, städtischen Museen und Schwimmbäder zu schliessen, um damit den nötigen Sparbetrag zu erreichen. Vielleicht entscheiden sich dann aber Firmen für einen Standort mit einem vielfältigeren Freizeit- und Kulturangebot.

Wer sich also trotz Sommerwetter mit den Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform beschäftigt, tut sich selbst einen Gefallen – und trägt dazu bei, dass die Badis auch in Zukunft Abkühlung bieten.

von Regula Keller,
Gemeinderätin SP, Winterthur

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