Quartierrundgang Töss

Wie entwickelt sich Töss?

Die Oktobersonne schien ausserordentlich warm auf die 46 Teilnehmenden am Quartierrundgang in Töss. Auf einer räumlich nur kurzen Strecke erörterten die zwei Stadträtinnen Pearl Pedergnana und Yvonne Beutler und der Stadtrat Nicolas Galladé der SP Winterthur die für den Stadtkreis Töss wichtigen und aktuellen Fragen mit einer enormen Kompetenz. Von Beginn ab war klar, dass viele Anliegen der TössemerInnen nicht erfüllt werden können. Wichtig war in diesem Zusammenhang, dass die Gäste nachvollziehen können, wieso dem so ist!

Als erste sprach die Tiefbauvorsteherin Pearl Pedergnana auf dem Tössemerr „Dorfplatz“ (auf dem Parkgeschoss des Zentrum Töss) zu Verkehrsfragen. Sie erläuterte, wieso ihre Bemühungen beim Bundesamt für Strassen, den Lärmschutz an der Autobahn zu verbessern, auf taube Ohren stossen: Schon Massnahmen mit nur sehr kleiner Wirkung (Verbesserung der Lärmschutzwände) kommen sehr teuer zu stehen, so dass das ASTRA die Signalwirkung vermeiden will, die eine Zusage zu Massnahmen hätte. Wenige hundert Meter tössabwärts hoffen ja auch die Wülflinger mit dem gleichen Recht wie die Tössemer auf Lärmreduktion. Die einfachste Massnahme wäre wohl die Temporeduktion auf 80 kmh. Der Ausbau der Zürcherstrasse wiederum kommt wegen dem Kanton langsam voran: Erst ab 2014 ist die Aufwertung der Zürcherstrasse mit Alleebäumen, neuen Fussgängerstreifen und separaten Bus- und Velospuren geplant. Weil teure Betonschächte gebaut werden müssen, damit die Wurzeln der Alleebäume nicht mit den Leitungen und Kanälen kollidieren. Hier wissen wir immerhin: Es kommt, aber es dauert noch bis zu fünf Jahren!

Auf dem noch freien Areal östlich des Bahnhofs Töss, wo heute noch Baumaterial gelagert wird, berichtete Yvonne Beutler als Finanzvorsteherin und Chefin der städtischen Liegenschaftspolitik über steigende Mieten und die fehlenden gesetzlichen Mittel, um für alle WinterthurerInnen eine preislich angemessene Wohnung zu gewährleisten. Aber sie konnte auch sachlich klar und glaubwürdig aufzeigen, dass die Stadt Winterthur alles Mögliche unternimmt, damit langfristig wieder mehr zahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Anmeldungen konnte sie keine entgegen nehmen. Aber es war spannend, ihr zuzuhören, wie sie heute einen pragmatischen Gegenvorschlag gegen die von ihr mitlancierte SP Wohnbauinitiative formuliert.

Nicolas Galladé beendete den Spaziergang durch Töss vor dem Güterschuppen, der sich als Veranstaltungsraum der Quartierkultur in Töss bestens etabliert hat, auf dessen Ausbau aber viele TössemerInjnen noch sehnlichst warten. Seine Anerkennung dafür, dass in Töss mit der Tösslobby die Quartieranliegen unter allen Interessengruppen koordiniert und vorbesprochen werden und damit solider und schlagkräftiger daherkommen, als wenn sie in der Öffentlichkeit noch hinterfragt würden, nehmen wir gerne entgegen. Dennoch ist damit der Kampf um die Finanzen noch nicht gewonnen und Werni Frei ruft alle Tössemer dazu auf, dem grossen Gemeinderat genau auf die Finger zu schauen, wenn er das stadträtliche Budget wieder zerpflücken sollte.

Alle drei StadträdtInnen zeigten sich sehr sattelfest in ihren Themen und sie präsentierten ihre Möglichkeiten im schwierigen Umfeld zwischen übergeordneten Gesetzen und dem bürgerlich dominierten grossen Gemeinderat so differenziert, dass es nicht ganz einfach war, den Argumenten während fast zwei Stunden noch zu folgen. Trotzdem blieb noch eine grössere Schar für den Apéro im Güterschuppen und nutzte die Gelegenheit, sich noch über individuelle Überlegungen und Anliegen auszutauschen und ein paar der Tössemer SP-KanidatInnen für den grossen Gemeinderat kennen zu lernen.