Der geplante Abbau von bis zu 580 der 730 Arbeitsplätze bei Zimmer Biomet ist ein massiver Angriff auf den Industriestandort Winterthur und auf Hunderte Beschäftigte und ihre Familien.
Besonders stossend ist: Zimmer Biomet steckt nicht in einer existenziellen Krise. Der Mutterkonzern erzielte zwischen 2021 und 2025 insgesamt rund 3,27 Milliarden US-Dollar Reingewinn. Allein im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere 436 Millionen Dollar hinzu. Gleichzeitig hat der Konzern ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1,5 Milliarden Dollar beschlossen.
Mit anderen Worten: Für Aktionärinnen und Aktionäre ist Geld vorhanden. Wenn es aber um die Arbeitsplätze der Menschen geht, die diese Gewinne mit ihrer Arbeit überhaupt erst ermöglichen, soll plötzlich gespart werden.
Für Winterthur ist diese Entwicklung doppelt bitter. Bereits 2020 verlagerte Zimmer Biomet seinen EMEA-Hauptsitz mit bis zu 130 meist gut bezahlten Stellen nach Zug. Es sind Menschen, die ihren und oft auch den Lebensunterhalt von Familien bestreiten. Es sind Arbeiter:innen und Angestellte, die täglich gute Arbeit leisten – ohne die diese Riesengewinne gar nicht möglich wären. Wie rechtfertigt Zimmer biomet es, nun genau diese Menschen komplett aus dem Leben zu reissen, einzig und allein, um den Gewinn für Arktionär:innen noch mehr zu steigern?
Das Unternehmen profitiert von gut ausgebildeten Fachkräften, öffentlicher Infrastruktur, Verkehr, Schulen und einem funktionierenden Gemeinwesen – bleiben einem Standort aber keinerlei langfristige Verantwortung schuldig.
Die Gewinne werden privatisiert, die Risiken trägt die Allgemeinheit.
Wenn ein Konzern seinen Standort optimieren kann, um Gewinne zu steigern, und wenige Jahre später gleichzeitig Hunderte Arbeitsplätze streichen kann, dann läuft etwas grundsätzlich falsch.
Jetzt braucht es maximalen politischen und öffentlichen Druck auf Zimmer Biomet. Ein hochprofitabler Weltkonzern muss alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Arbeitsplätze und Lehrstellen in Winterthur zu erhalten. Wo Stellen trotzdem verschwinden, braucht es einen umfassenden Sozialplan und echte Perspektiven für die Betroffenen.
Langfristig müssen wir auch über das System sprechen: Die Schweiz braucht eine Politik bei der Unternehmen dort ihren fairen Beitrag leisten, wo ihre Beschäftigten arbeiten und wo die öffentliche Hand die Voraussetzungen für ihren wirtschaftlichen Erfolg schafft.
Wer Milliarden verdient, darf die Rechnung nicht den Beschäftigten und der Allgemeinheit überlassen.